Was passiert im OP?

„Eine Operation bei einem Kind ist nie ein Routineeingriff.“

Titelfoto zur Informationsseite Was passiert im OP mit Hase auf dem OP-Tisch.

Mein Kind wird am Gehirn operiert!

Eine Gehirnoperation bei Kindern (Pädiatrische Hirntumorchirurgie) ist kein Routineeingriff und erfordert nicht nur hinsichtlich Narkose und postoperativer Überwachung besonders geschultes Personal (Kinderanästhesie, Kinderintensivstation). Aufgrund der Vielzahl seltener Tumore, welche im Erwachsenenalter nicht vorkommen, ist eine solche Operation eine besondere Herausforderung. Da die meisten Hirntumore bei Kindern im Kleinhirn oder am Hirnstamm liegen (Medulloblastome, Astrozytome, Ependymome, Hirnstammgliome) und hier die Anatomie gegenüber Erwachsenen verändert ist, sollten solche Operationen von Kinderneurochirurgen mit besonderer Expertise durchgeführt werden. Auch Tumore am Sehnerven (sogenannte Optikusgliome, Chiasmagliome) oder Kraniopharyngeome (Erdheim-Tumor) sind zwar gutartige Geschwülste im Kindesalter, aber in einem sehr empfindlichen Gebiet des Gehirns gelegen, sodass hier die Operation höchste Ansprüche an Können und große Erfahrung erfordert. Nur mit einer ausreichenden Routine durch eine hohe Anzahl von jährlichen Hirntumor-Operation kann ein optimales Ergebnis bei höchster Sicherheit gewährleistet werden. Britische Studien konnten hier auch einen Zusammenhang zwischen Erfolg der Behandlung bzw. Komplikationen und der Expertise des Neurochirurgen klar belegen.

Was wird bei meinem Kind gemacht?

Die Größe der Operation hängt davon ab, ob nur eine Gewebeprobe entnommen werden soll, der Tumor vollständig oder soweit möglich entfernt werden soll. Die sogenannte Operabilität, also die Chance auf eine vollständige Entfernung, kann nur von einem erfahrenen Kinderneurochirurgen eingeschätzt werden. Manchmal werden hier auch Zweitmeinungen nötig sein.

Wenn nur eine Gewebeprobe notwendig ist, führen wir in einer Vollnarkose bei Ihrem Kind eine kleine Bohrung am Schädel aus. Hierdurch können wir mit einer Nadel oder einem kleinen Endoskop winzige Gewebeproben für den Pathologen entnehmen. Dieser Eingriff ist somit minimal-invasiv.

Wird die Entfernung des Hirntumors bei Ihrem Kind nötig, so öffnet der Neurochirurg den Schädelknochen (Kraniotomie) mit speziellen Fräsen. Der Knochen wird am Ende der Operation wieder eingesetzt und mit selbstauflösenden oder Titan-Platten fest verankert. Nach Öffnung der Hirnhaut kann dann mit Hilfe von speziellen Instrumenten (Ultraschallsauger, Kauter-Pinzetten und Mikroinstrumenten) der Tumor aus dem gesunden Hirngewebe herausgeschält werden. Die Operationstechniken entwickeln sich hierbei rasant durch den enormen technologischen Fortschritt u.a. auf dem Gebiet der Assistenzsysteme, der virtual reality und augmented reality, des 3d-Drucks in der Neurochirurgie usw. Damit wird die Präzision des Eingriffes und damit auch die Sicherheit immer weiter erhöht.

Dennoch ist eine Gehirnoperation eine sehr komplexe und potentiell gefährliche Operation. Allerdings konnte in den letzten Jahrzehnten die Sicherheit für kleine Patienten wesentlich verbessert werden. 

Wie kann ich meinem Kind beistehen?

Natürlich möchten Sie Ihrem Kind beistehen und so gut wie es geht helfen und auch beschützen. Am besten tun Sie dies, indem Sie Ihrem Kind erklären, was gemacht wird und warum die Behandlung notwendig ist. Sie als Eltern finden häufig die einfachsten und besten Worte für das Bevorstehende.

Dennoch sollten Sie auch den Arzt bitten, mit Ihrem Kind über die Operation zu sprechen und nicht nur „über“ Ihr Kind.

Ihre Angst und Nervosität überträgt sich ungewollt auch auf Ihr Kind. Soweit es für Sie möglich ist, sollten Sie Zuversicht, Ruhe und Vertrauen ausstrahlen.

Nach der Operation wird Ihr Kind häufig am Monitor angeschlossen, mit Kabeln und Schläuchen versorgt sein und auf einer Intensivstation aufwachen. Auch hier hilft Ihre Nähe, der Körperkontakt und ruhige Zuwendung am meisten.

Nach einer Hirnoperation benötigt der Organismus und das Gehirn oft noch viele Ruhephasen, um sie gut zu erholen. Deshalb ist es wichtig, langsam wieder in den Alltag zurückzufinden und Ihr Kind nicht zu überfordern. Geben Sie sich und Ihrem Kind die Zeit, die es braucht.

Was passiert nach der Operation?

Nach der Operation wird Ihr Kind in den allermeisten Fällen auf der Kinderintensivstation überwacht, um den neurologischen Zustand und die Erholung nach einem so gravierenden Eingriff zu überwachen. Üblicherweise erfolgt binnen 24-72 Stunden eine MRT-Kontrolle des Operationsbereiches, um festzustellen, wieviel Tumorgewebe verblieben ist. Außerdem können so mögliche Komplikationen frühzeitig erkannt werden.

Und was passiert weiter?

Nach dieser ersten frühen Phase nach der Hirntumoroperation kann ihr Kind schließlich auf einer speziellen onkologischen Kinderstation weiterbetreut werden.

Wenn die Diagnose der Geschwulst feststeht (Histologie genannt), kann über die weiteren Schritte entschieden werden. Meist benötigen  die Pathologen 7 – 10 Tage für die exakte Bestimmung der Diagnose, in Einzelfällen auch länger. Während dieser Zeit wird auch die Kernspintomographie ausgewertet und im Referenzzentrum mitbeurteilt um festzustellen, ob oder wieviel Restgewebe verblieben ist. Dies ist für die weiteren Behandlungsschritte entscheidend.

Bei gutartigen Tumoren erfolgt meist eine frühzeitige Rehabilitation in einer Kinderreha-Einrichtung. Hier kann das Uniklinikum Salzburg mit dem Neurologischen Rehabilitationszentrum ReKiZ direkt im Kinderzentrum direkt eine hochspezialisierte Frührehabilitation anbieten.

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